Blended Learning: Die Eierlegende Wollmilchsau der Personalentwicklung

Dass die Weiterbildung der Mitarbeiter essentiell ist, um wettbewerbsfähig zu bleiben, ist mittlerweile in den meisten Unternehmen angekommen. Aus der Not heraus werden teure Seminare abgehalten, deren Effekt niemand richtig kennt. So hochmotiviert die Teilnehmer aus dem Seminar auch gehen mögen, so schnell verfliegen die guten Vorsätze im Arbeitsalltag. Bereits nach 24 Stunden ohne Wiederholung des Gelernten, haben sie 50% vergessen. So funktioniert unser Gehirn. In Dienstleistungsbranchen wie Tourismus und Hotellerie sind die Margen eng und die Zeit knapp. Mitarbeiter auf Seminaren fehlen im Tagesgeschäft. Was die Branche deshalb benötigt, sind also Seminarkonzepte, die kosten- und zeiteffizient sind und gleichzeitig höchste Qualität der Mitarbeiterentwicklung gewährleisten. Gibt es sie, diese Eierlegende-Wollmilchsau? Basierend auf den Erkenntnissen der Wissenschaft sage ich: „ja.“ Und sie heißt Blended Learning.

WAS IST BLENDED LEARNING? 

Blended Learning, oder Hybrides Lernen, wird die Kombination aus Präsenzseminar und Online-Modulen genannt (s. Beitragsbild). Alternative Lernmethoden wie Blended Learning, Webinare und Mobile Learning sind schon lange auf dem Vormarsch. Im mmb-Trendmonitor 2018 (mmb Institut, 2019) stand Blended Learning das fünfte Jahr in Folge auf Platz eins. Unternehmen setzen mehr denn je auf Blended Learning Konzepte, fand eine repräsentativen Studie des Bitkom e. V., (2016) heraus. Schulungsinhalte werden webbasiert vermittelt und durch Präsenztrainings von eigenen oder externen Trainern ergänzt. Doch Achtung: Blended Learning bedeutet nicht ein einfaches Ersetzen der Präsenztrainings durch elektronische Medien. Blended Learning wird nur dort erfolgreich, wo die Vorteile der Medien und Formate sinnvoll verzahnt werden.

WIE WIRKT BLENDED LEARNING?

Vorbereitungsphase: Inhalte werden z.B. in 5-10 minütigen Videos, Artikeln, Podcasts, Grafiken, etc. „häppchenweise“ gehirngerechnet online vermittelt. In dieser Vorbereitungsphase lernen Mitarbeiter zeitlich und räumlich unabhängig zu einem für sie passenden Zeitpunkt (z.B. via Smartphone auf dem Weg zur Arbeit). Gehirngerechtes Lernen funktioniert in mehreren Mini-Etappen zwischendurch, verteilt über mehrere Tage. Dies berücksichtigt Ruhe- und Schlafphasen, die für das Lernen essentiell sind. Ein integriertes Quiz lässt Inhalte spielerisch wiederholen und einprägen.
Vertiefungsphase: Im darauffolgenden Präsenzmodul liegt der Fokus rein auf der Reflexion und der Anwendung der online vermittelten Inhalte mit direktem Feedback aus der Gruppe. Dadurch, dass keine neuen Inhalte mehr vermittelt werden, können Präsenzzeiten verkürzt und sinnvoller genutzt werden. Das spart Zeit und Geld und erhöht den Lerneffekt. Zudem kann der Trainer die individuellen Bedürfnisse der Gruppe aufnehmen und in zukünftige Lerneinheiten integrieren.
Transferphase: Nach dem Präsenzmodul helfen Übungsimpulse, Erinnerungen und Reflexionen das Gelernte im Joballtag anzuwenden. Ziel ist es, die Inhalte aus dem Seminar zu vertiefen und auf den ganz persönlichen Arbeitskontext zu übertragen. Durch Follow-Ups und Tranfer-Coachings bleibt der Trainer Lernbegleiter über das Seminar hinaus.

Blended Learning Optionen

REINE ONLINE-SEMINARE SIND WENIGER NÜTZLICH

Reine Online-Seminare sind aus lernpsychologischer Sicht nur nützlich, wenn sie maximal die unteren zwei von sechs Lernstufen (s. Abb.), nämlich Merken und Verstehen, abdecken sollen. Anwenden, Analysieren, Evaluieren und Kreieren werden im Präsenzseminar erreicht, um Gelerntes zu festigen und es im Arbeitsalltag abrufen und anwenden zu können. Auch für Fragen, Probleme und zur Motivation sind der direkte, persönliche Kontakt zum Trainer, sowie der wertvolle Erfahrungsaustausch in der Gruppe, essentiell. Aus diesen Gründen werden reine Online-Seminare zukünftig vermutlich weiterhin an Bedeutung verlieren.

Abb.: Kognitive Lernziel-Taxonomie nach Benjamin Bloom (in Universität Würzburg, 2019)

VORTEILE VON BLENDED LEARNING

Gehirngerecht Lernen: Inhalte eines Seminars werden in kurzen Trainingsimpulsen, sogenannten Microlearnings, über einen deutlich verlängerten Lernzeitraum vermittelt. Somit werden sie vom Gehirn besser aufgenommen, verarbeitet und gefestigt.
Fruchtbare Präsenzzeit: Präsenztage sind wertvoll. Daher sollte diese Zeit intensiv genutzt werden, um das zu tun, wofür Präsenztage optimal sind: üben, diskutieren und interagieren. Inhalte werden vorab online vermittelt.
Das Tagesgeschäft läuft weiter: Das Lernen und Üben wird über mehrere Wochen in den Arbeitsalltag integriert. Die kurzen Lern- und Übungseinheiten rufen sich die Teilnehmer zwischendurch zu einem für sie passenden Zeitpunkt selbständig ab und bleiben dem Tagesgeschäft somit erhalten.
Für Transfer sensibilisieren und motivieren: im Präsenztraining motiviert der Trainer zum Transfer in den Arbeitsalltag und kann anschließend durch Übungsimpulse und bei individuellen Anliegen weiterhin online unterstützen.
Die Führungskraft einbinden: die Führungskraft kann einsehen, was die Mitarbeiter im lernen und üben werden. Neben Transparenz schafft das Platz für Rücksprache und Unterstützung.
Ein Höherer Return on Education: Ein Sinnvoll konzipiertes Blended Learning Seminar spart Zeit, Geld und ermöglicht maximale Lernerfolge.

WAS SIE NUN TUN KÖNNEN?

Die gute Nachricht: es ist nicht zu spät. Gleichzeitig besteht die dringende Notwendigkeit, sich mit dem Thema der Digitalisierung in der Personalentwicklung auseinander zu setzen, um in Zukunft wettbewerbsfähig zu bleiben. Mittlerweile bieten einige Trainer und Institute Blended Learning Formate an und bringen bereits ihre eigene Lernplattform mit. Ihre Mitarbeiter erhalten dann lediglich einen persönlichen Online-Zugang und können mit dem Lernen starten. Dies ist insbesondere für kleine und mittelständische Unternehmen interessant, denen meist die Ressourcen für eine eigene Lernplattform fehlen. Für weitere Information nehmen Sie gern Kontakt zu mir auf.

Ihre Kirsten Gahlen

Quellen:

Bitkom e. V., Studie, www.bitkom.org/Presse/Presseinformation/Weiterbildung-findet-oft-im-Web-statt.html, 2016, letzter Zugriff am 21.04.2019

mmb Institut, Branchenmonitor 2018, https://www.mmb-institut.de/downloads/mmb-branchenmonitor-2018-ein-starkes-jahr-fuer-die-kleineren/, 2019, letzter Zugriff 21.04.2019

Universität Würzburg, Lernziele, https://www.uni-wuerzburg.de/lehre/lehren/lernziele/, letzter Zugriff 21.04.2019

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